Themenmonat Januar: Geschichten des Gelingens
In diesem Monat wollen wir anhand einiger Beispiele zeigen, wie sich Bürger:innen erfolgreich für eine gerechtere Mobilität eingesetzt haben. Gerade in den aktuell herausfordernden Zeiten gehen positive Entwicklungen manchmal unter. Diese Erfolgsgeschichten können jedoch neue Wege aufzeigen und das zivilgesellschaftliche Engagement bereichern und inspirieren. Von den zahlreichen Errungenschaften stellen wir hier vier ausgewählte Beispiele vor.
Foto: Rikschas von fLotte SoziaL. © Mit freundlicher Genehmigung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg, Fotograf: René Zieger.
1. Die fLotte SoziaL – Freie Pedicabs für Berlin
Die fLotte SoziaL erleichtert mobilitätseingeschränkten Menschen durch ein besonderes Mobilitätsangebot den Zugang zur Mobilität und ermöglicht so mehr Teilhabe am Leben im öffentlichen Raum. An verschiedenen Standorten in Berlin können Rikschas, Rollstuhlräder oder Tandems kostenlos ausgeliehen werden. Die Fahrzeuge sind bequem und sicher nutzbar und können über die Buchungsplattform der fLotte reserviert werden.
fLotte SoziaL ist ein Projekt des Vereins fLotte Berlin, der Lastenräder verleiht. Aktuell hat die fLotte 296 buchbare Lastenräder (inklusive Spezialräder wie Pedicabs und Anhänger), davon 59 im Land Brandenburg (Berlin.de).
2. Bürgerinitiative Westtangente – Soziales Engagement verhindert Autobahnbau
Ein wichtiges Beispiel für erfolgreichen zivilgesellschaftlichen Protest ist die Bürgerinitiative Westtangente Berlin. Sie wurde 1974 gegründet und setzte sich für eine Verkehrswende zugunsten der Fußgänger:innen, Radfahrenden und ÖPNV-Nutzer:innen und gegen die zunehmende autozentrierte Verkehrsplanung ein. Die Bürgerinitiative protestierte mit unterschiedlichen Aktionen, Blockaden, Straßenfesten und Klagen vor Gericht erfolgreich gegen die geplante Stadtautobahn A104, die Steglitz mit Reinickendorf verbinden sollte.
1981 wurde der Bau der Stadtautobahn offiziell fallengelassen, auch weil der Bund kein Geld für das Milliardenprojekt zur Verfügung stellte. Die Bürgerinitiative Westtangente engagierte sich nach dem Erfolg weiterhin für gesunde und ökologische Mobilität in Berlin. Sie ist heute noch immer ein eingetragener Verein (Leffler, 2025; Neuendorff, 2023; Rutz, 2024).
Foto: Schulstraße mit spielenden Kindern. © Norbert Michalke / Changing Cities
3. Schulstraßen – Sicher und autofrei zur Schule
Schulstraßen sind Straßen direkt vor Schulen, die zu Beginn und Ende des Schultags für den Autoverkehr gesperrt werden, damit Kinder sicher und selbständig ankommen. Dadurch soll auch das Zur-Schule-Bringen mit dem elterlichen Auto reduziert werden. Schulstraßen sind daher Teil von kinder- und klimagerechter Mobilität. In Berlin gibt es bereits mehrere erfolgreich umgesetzte Schulstraßen, etwa in der Singerstraße vor dem Max-Planck-Gymnasium (Bezirk Mitte) oder in der Scharnweberstraße vor der Jane-Godall-Schule (Bezirk Friedrichshain).
Akteur:innen wie Changing Cities, das Kidical-Mass-Aktionsbündnis, der Verkehrsclub Deutschland (VDC) oder das Deutsche Kinderhilfswerk engagieren sich für mehr Schulstraßen. Auf ihren Webseiten gibt es viele Infomaterialien, Leitfäden zur Umsetzung von Schulstraßen (siehe Toolkit von Changing Cities), inspirierendes Kampagenmaterialien (etwa die Kampagne #Schulstraßen Jetzt!) und Aktionsideen.
Foto: Aktion zur Verfassungsbeschwerde von Greenpeace und Germanwatch.
© Anne Barth / Greenpeace
4. Gerechtigkeit juristisch einfordern
Mit Klagen können Einzelpersonen, Gruppen oder Verbände vor Gericht Dinge wie nachhaltigere und gerechtere Mobilität einfordern. Klimaklagen beispielsweise richten sich meist gegen staatliche Entscheidungen oder Unternehmen, wenn diese zu wenig zum Klimaschutz beitragen oder bestehende Gesetze nicht einhalten. Besonders für Menschen, die sonst weniger Gehör finden, können Klagen ein wichtiges Instrument für mehr Gerechtigkeit sein. Das können beispielsweise mobilitätseingeschränkte, ältere, behinderte oder rassifizierte Menschen, sowie auch allgemein Frauen oder Kinder sein (Deutsche Umwelthilfe, o. J.; Jahn, 2025). In den letzten Jahren steigt die Zahl der Umwelt- und Klimaklagen (Tagesschau, 2025).
Ein Beispiel ist das gemeinsame Verbandsklageprojekt „Barrierefreiheit durchsetzen, Diskriminierung ahnden“ vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Rechtsberatungsgesellschaft „Rechte behinderter Menschen“. Es nutzt die Möglichkeiten des verbandlichen Rechtsschutzes, um Verstöße gegen Vorschriften zur Umsetzung von Barrierefreiheit zu ahnden. Ziel ist es gleichzeitig, eine Rechtsprechungskultur in diesem Bereich aufzubauen und zu etablieren, um nachhaltig die Behindertenverbände zu unterstützen und Barrierefreiheit rechtlich durchzusetzen.
Ein weiteres Beispiel für Klimaklagen ist die Verfassungsbeschwerde von Greenpeace und Germanwatch aus dem Herbst 2024, die von zehntausenden Mitkläger:innen unterstützt wurde. Das Bundesverfassungsgericht hat die Bundesregierung inzwischen um eine Stellungnahme gebeten. Konkret wird geklagt, weil der ausbleibende Klimaschutz die Freiheits- und Gleichheitsrechte von Bürger:innen einschränken (Greenpeace, 2025; NewClimate Institute, 2024). Fünf besonders in ihrer künftigen Freiheit bedrohte Personen wenden sich mit der Beschwerde gegen das fortgesetzte Unterlassen von Bundesregierung und Bundestag und fordern wirksame Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor. Alle fünf haben ein geringes Einkommen und sind auf das Auto angewiesen. Vier leben im ländlichen Raum ohne ausreichenden öffentlichen Nahverkehr. Eine Person ist aufgrund einer Behinderung auf einen Pkw angewiesen. Wenn der Umbau des Verkehrs weiter verzögert wird, drohen sie durch die künftig notwendigen radikalen Maßnahmen von Mobilität insgesamt abgeschnitten zu werden. Sie könnten dann weder auf Bus und Bahn umsteigen noch hohe CO₂-Preise oder ein Elektroauto bezahlen (Greenpeace, 2024).
4. Die (Erfolgs-)Geschichte geht weiter...
Diese und viele weitere Beispiele zeigen: Eine aktive Zivilgesellschaft hat schon immer dazu beigetragen, Diskussionen anzustoßen und Veränderungen möglich zu machen. Auch zukünftig ist die gerechte und gesunde Gestaltung von Mobilität eine Gemeinschaftsaufgabe.
Hat Dich dieser Beitrag inspiriert? Dann schau im Themenmonat September zu Engagement für bessere Mobilität vorbei. Außerdem finden sich weitere positive Beispiele aus Umwelt- und Klimaengagement bei Stories for Future oder FUTURZWEI. Solche Erfolgsgeschichten machen Mut und wir können von der Vergangenheit lernen, Engagement wirkungsvoll zu machen und unsere Zukunft aktiv zu gestalten.
Veranstaltungstipps im Januar
4. Januar – Workshop am Welt-Braille-Tag
Der Workshop vermittelt die Grundlagen der Punktschrift, die auch blinden und sehbehinderten Menschen das Lesen ermöglicht.
Mehr Infos
14. - 16. Januar – Film ab! Filmprojekt: Wem gehört die Stadt?
Die Drehtage sind Teil des Filmprojekts "Wem gehört die Stadt": Junge Erwachsene drehen ihren Film über Berlin: Wie sieht ein Leben in Berlin aus und wie könnte die Stadt der Träume in Zukunft aussehen?
13. Januar – Diskurs am Dienstag: Rad- und Fußverkehr im Haltestellenbereich
Das Webinar zeigt, welche Möglichkeiten zur Radverkehrsführung im Haltestellenbereich bestehen. Referenten stellen dar, wie sich sichere und komfortable Lösungen für alle Verkehrsteilnehmenden finden lassen. Im Fokus stehen verschiedene Haltestellenbauformen und Führungsmöglichkeiten für den Rad- und Fußverkehr, deren jeweilige Vor- und Nachteile sowie die Auswirkungen auf die objektive und subjektive Verkehrssicherheit.
Weitere Tipps siehe Terminseite.