Themenmonat Februar: Wie funktioniert der Wandel?
Damit sich alle Menschen gesund und umweltfreundlich fortbewegen können, muss sich vieles verändern: nicht nur unser Verhalten im Alltag, sondern auch die Planung von Straßen und Wegen, genauso wie Gesetze und Regeln. Dafür ist es wichtig, dass Staat, Unternehmen und Bürger:innen gut zusammenarbeiten. Doch wer genau sind diese Akteure? Und was hilft konkret, damit sich unsere Mobilität wirklich verändert?
Staatliche Akteure
In Deutschland gibt es mehrere staatliche Ebenen, die alle in der Mobilitätswende mitreden und handeln. Jede Ebene hat eigene Zuständigkeiten und Möglichkeiten.
- Bund: Die Bundesregierung und der Bundestag beschließen bundesweite Gesetze, etwa zum Klimaschutz im Verkehr, zur Straßenverkehrsordnung oder zur Finanzierung von Bahn und ÖPNV. Sie entscheiden zum Beispiel, wie stark der CO₂-Ausstoß von Autos bepreist wird oder welche Verkehrsinfrastruktur gefördert wird.
- Länder: Die Bundesländer setzen diese Regeln um, planen den Regional- und S-Bahn-Verkehr und können eigene Mobilitätsgesetze oder Programme beschließen. Sie legen zum Beispiel fest, wie viel Geld in Bus- und Bahnangebote außerhalb der Großstädte fließt.
- Kommunen: Städte und Gemeinden bestimmen vor Ort, wie Straßen aufgeteilt werden, wo Radwege, Parkplätze oder Busspuren entstehen und wie Parken geregelt wird.
In Berlin kommen Landes- und Kommunalebene zusammen, weil Berlin sowohl Stadt als auch Bundesland ist.
- Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt – kurz SenMVKU – gibt die Richtung vor, erstellt Pläne und ist für große Projekte zuständig.
- Das Abgeordnetenhaus beschließt Gesetze wie das Berliner Mobilitätsgesetz in 2018 (SenMVKU, 2026).
- Die Bezirke kümmern sich um viele Details vor Ort, zum Beispiel um konkrete Umbauten an Nebenstraßen.
So wird deutlich: Der Rahmen wird oben gesetzt, aber sichtbar wird die Mobilitätswende vor allem unten – in der eigenen Straße und im eigenen Kiez.
Nichtstaatliche Akteure
Verkehrsunternehmen und Wirtschaft
Ohne Verkehrsunternehmen und Wirtschaft bleibt die Mobilitätswende ein Papierprojekt. Diese Akteure sorgen dafür, dass aus Plänen echte Angebote werden.
- ÖPNV-Betreiber wie BVG, S-Bahn Berlin und Deutsche Bahn bieten Bus- und Bahnlinien an, planen Takte und setzen neue Fahrzeuge ein. Sie können etwa die Barrierefreiheit verbessern, den Takt verdichten oder neue Verbindungen schaffen.
- Sharing-Anbieter (Carsharing, Bikesharing und E-Scooter-Dienste) bieten Alternativen zum eigenen Auto an, besonders in dicht bebauten Stadtteilen.
- Unternehmen in Logistik und Handwerk organisieren Liefer- und Dienstfahrten und entscheiden etwa, ob sie eher auf kleinere Fahrzeuge, Lastenräder oder E-Transporter setzen.
Auch Verbände der Wirtschaft, zum Beispiel Arbeitgeberverbände und Kammern, bringen sich ein, wenn es um Fahrverbote, Luftreinhaltepläne oder die Umgestaltung von Straßen geht.
Zivilgesellschaft und Wissenschaft
Zivilgesellschaftliche Gruppen und Forschungseinrichtungen sind wichtige Motoren der Mobilitätswende. Sie bringen neue Ideen ein, üben Kritik und sorgen dafür, dass die Bedürfnisse der Menschen vor Ort gehört werden.
- Umwelt- und Verkehrsverbände wie ADFC, VCD oder Changing Cities setzen sich für sicheren Radverkehr, guten ÖPNV und weniger Autoverkehr ein.
- Volksentscheide wie der „Volksentscheid Fahrrad“ in Berlin haben gezeigt: Bürger:innen können mit ihrem Engagement neue Gesetzesinitiativen anstoßen (zum Beispiel das Berliner Mobilitätsgesetz). Aktuell bereitet der Verein „Berlin autofrei“ einen „Verkehrsentscheid“ vor.
- Bürgerinitiativen in einzelnen Stadtteilen kämpfen zum Beispiel für Tempo 30, sichere Schulwege oder weniger Durchgangsverkehr. So werden beispielsweise in Berlin Kiezblocks erprobt, in denen mithilfe von Tempolimits, Straßensperrungen und Einbahnstraßen der Autoverkehr reduziert wird.
- Wissenschaft und Forschung analysieren, welche Maßnahmen tatsächlich wirken, wie sich Verkehr verändert und wie die Wende sozial gerecht gestaltet werden kann. Wie unser Projekt zeigt, können auch dabei Bürger:innen mitwirken.
Diese Akteure machen Mobilität greifbar, erklären Zusammenhänge und helfen, dass Maßnahmen nicht nur technisch, sondern auch sozial funktionieren.
So funktioniert die Mobilitätswende
Damit sich unser Verkehrssystem wirklich verändert, braucht es zwei Arten von Maßnahmen: Sogenannte Pull-Maßnahmen machen eine gesunde, klimafreundliche und inklusive Mobilität attraktiver. Push-Maßnahmen zielen darauf ab, ungesunde Mobilität, insbesondere den Autoverkehr, unattraktiver zu machen (vgl. Albers et al., 2025; Hekler et al., 2022; Wang et al., 2020). Viele dieser Maßnahmen müssen letztendlich von Unternehmen oder staatlichen Akteuren umgesetzt werden. Aber wie oben beschrieben können Bürger*innen mit ihrem Engagement den Wandel vorantreiben.
Infografik: Push- und Pullfaktoren für gesunde und gerechte Mobilität. © Lone Thomasky / AMBER 2026. Zur barrierefreien Text-Version geht es hier. / Bild herunterladen.
Wichtig: Vielfältige Perspektiven frühzeitig einbinden
Eine gerechte Mobilitätswende gelingt nur, wenn viele unterschiedliche Menschen gut mitreden können – zum Beispiel Kinder und Jugendliche, ältere Menschen sowie Personen mit wenig Geld oder mit Behinderungen. Es braucht klar geregelte, transparente, früh beginnende und verbindliche Beteiligungsprozesse, die strukturelle Hürden abbauen und deren Ergebnisse sichtbar in politische Entscheidungen einfließen (vgl. Sander, 2020).
Wichtig ist, dass die Stadt oder Gemeinde früh fragt: Was braucht Ihr im Alltag, um gut von A nach B zu kommen? Alle Informationen zu Verkehr, Kosten und Zielen sollten in einfacher Sprache, mit Bildern und bei Bedarf in mehreren Sprachen erklärt werden, damit wirklich alle verstehen, worum es geht. Es braucht Treffen vor Ort im Viertel, Online‑Möglichkeiten und Unterstützung wie Kinderbetreuung oder barrierefreie Räume, damit niemand ausgeschlossen wird. Die Politik sollte offen sagen, was veränderbar ist und was nicht – und später klar zeigen, welche Ideen aus der Beteiligung übernommen wurden und warum andere Vorschläge nicht umgesetzt werden. So wird die Mobilitätswende transparent, fair, vielfältig und von den Menschen vor Ort mitgestaltet.
Berlin hat alle wichtigen Zutaten für das Gemeinschaftsprojekt Mobilitätswende: Es gibt ein starkes Mobilitätsgesetz, engagierte Initiativen und Verbände sowie Beteiligungsmöglichkeiten für die Bevölkerung. Nun kommt es darauf an, die Umsetzung weiter voranzutreiben. Auf Deutschland-Ebene gilt das genauso: Nur wenn alle Akteure ihren Beitrag leisten, entsteht eine Mobilität, die klimafreundlich, sozial gerecht und im Alltag gut nutzbar ist.
Veranstaltungstipps im Februar
10. Februar 2026 – Diskurs am Dienstag: Bilder, die bewegen
Das Webinar fragt, welche Rolle Visualisierungen wie Zukunftsbilder für eine gelingende Verkehrswende spielen können. Dr. Juliane Haus (WZB) zeigt auf, wie visuelle Darstellungen genutzt werden können, um über Mobilitätswandel zu informieren, Beteiligungsprozesse zu unterstützen und die kommunale Entscheidungsfindung zu begleiten. Thematisiert werden Potenziale und Grenzen sowie ausgewählte Praxisbeispiele.
11. Februar 2026 – Mit VR in die Mobilitätswelten der Zukunft
Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? In diesem Workshop haben Teilnehmende die Möglichkeit, hautnah zu erfahren, wie immersive Techniken wie Virtual Reality (VR) in der Planung und Beurteilung von Mobilitätskonzepten eingesetzt werden können. Der Workshop gibt einen Einblick in das im Aufbau befindliche VR-Labor. Es wird erläutert, was immersive VR ist, welche Einsatzmöglichkeiten sich daraus ergeben und wie das Labor künftig für eigene Projekte genutzt werden kann.
11. Februar 2026 – Wenn Menschen mit Behinderungen sich engagieren
In einem zweistündigen Workshop geht es um die Gestaltung von inklusivem Engagement. Gemeinsam mit Erfahrungsexpert*innen wird darüber gesprochen, welche Faktoren entscheidend sind, damit sich alle in der Freiwilligenarbeit willkommen und wohlfühlen können. Es werden mögliche Herausforderungen diskutiert und Strategien erarbeitet, um diese zu überwinden. Durch praktische Beispiele und konkrete Tipps erhalten die Teilnehmenden wertvolle Impulse, um Angebote für freiwilliges Engagement inklusiver und zugänglicher zu gestalten.
Wer gemeinsam mit Vivian aus der Forschungsgruppe Engagement & Wandel zur Veranstaltung gehen möchte, kann sich gerne bei uns melden!
12. Februar 2026 – Women Changing Cities (ENGLISCH)
Wie können Frauen die urbane Mobilität und Stadtgestaltung verändern? Diese Frage soll mit den Autoren des Buches „Women Changing Cities“ (Melissa und Chris Bruntlett) und weiteren Gästen diskutiert werden. Der Abend beginnt mit einer Lesung aus dem Buch, gefolgt von einer Podiumsdiskussion. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, bei einem Drink in den Austausch zu treten und weiter über die Bedeutung weiblicher Perspektiven für die Mobilitätswende nachzudenken.
17. Februar 2026 – Tag der Verkehrswissenschaft
Der Fokus liegt auf der Nahmobilität als zentrales Element einer nachhaltigen und nutzerorientierten Verkehrsentwicklung. Es werden aktuelle Themen wie die 15-Minuten-Stadt und die Chancen der Nahmobilität im ländlichen Raum behandelt. Nach einleitenden Vorträgen gibt es eine Networking-Pause für den Austausch. Der zweite Teil umfasst Impulse aus Forschung, Politik und Praxis mit anschließender Podiumsdiskussion. Eine wertvolle Gelegenheit, sich über die neuesten Entwicklungen in der Verkehrswissenschaft zu informieren und zu vernetzen.
Weitere Tipps siehe Terminseite.