Themenmonat Mai: Mobilität und Gesundheitsrisiken
Damit wir gemeinsam an einer gesunden und gerechten Mobilität für alle forschen können, schauen wir uns zuerst an, welche gesundheitlichen Risiken es im aktuellen Verkehrssystem gibt. Am Kapitelende folgen einige Lösungsansätze, Veranstaltungstipps und Quellenangaben.
Infografik: Welche Risiken entstehen bei der Mobilität für unsere Gesundheit?
© Lone Thomasky / AMBER 2025. Bild herunterladen.
Gesundheitliche Risiken
1. Luftverschmutzung
Feinstaub, Stickstoffoxide und bodennahes Ozon sind stille Begleiter des motorisierten Verkehrs: Auf viel befahrenen Straßen atmen wir sie unbemerkt ein. Das kann der Gesundheit schaden. Schadstoffe und Partikel, die beispielsweise aus dem Auspuff von Autos oder vom Abrieb der Reifen kommen, erhöhen das Risiko für Atemwegserkrankungen wie Asthma, chronische Bronchitis und Lungenkrebs [1, 2]. Zudem belasten sie das Herz-Kreislauf-System und können Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle mitverursachen [3]. Besonders gefährdet sind dabei Kinder, ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen. Denn ihre Gesundheit ist weniger widerstandsfähig gegenüber Schadstoffbelastungen.
2. Lärm
Im Alltag ist Verkehrslärm fast allgegenwärtig. Bereits ab Geschwindigkeiten von etwa 30 Kilometer pro Stunde dominieren die Roll- und Bremsgeräusche der Fahrzeuge [4]. Was viele nur als Hintergrundrauschen wahrnehmen, birgt jedoch tatsächliche Gesundheitsrisiken: Kurzfristig kann Lärm zu Ermüdung, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen führen. Dauerhafte Lärmbelastung hingegen kann sich stärker auf die Gesundheit auswirken: So erhöht chronischer Lärm das Risiko für Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen sowie Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Haut und des Verdauungstrakts [5-8]. Lärm ist damit ein unsichtbarer Auslöser von Stress, der unserer Gesundheit langfristig schaden kann.
3. Barrieren
Mobilität ist mehr als Fortbewegung – sie ist ein Grundpfeiler für soziale Teilhabe und Wohlbefinden. Besonders für ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen ist eine barrierefreie Umgebung entscheidend. Sie ermöglicht den Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten, kulturellen Angeboten, sozialen Kontakten und körperlicher Aktivität. Fehlende Barrierefreiheit kann hingegen zu sozialer Isolation, Depressionen und Bewegungsmangel führen [9]. Eine gute und sichere Mobilitätsinfrastruktur ist ein zentraler Baustein für eine gesunde und inklusive Mobilität. Inklusiv heißt, dass alle Menschen sich gut durch die Stadt bewegen können, beispielsweise auch mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Gehhilfe.
4. Kollisionen mit Personenschaden
Kollisionen von Fußgänger:innen und Radfahrer:innen mit Autos oder anderen motorisierten Fahrzeugen können zu leichten bis lebensgefährlichen oder gar tödlichen Verletzungen führen und der psychischen Gesundheit schaden [10, 11]. Menschen im Straßenverkehr sind besonders auf dem Fahrrad gefährdet: 2024 war laut dem Statistischen Bundesamt etwa jeder sechste Verkehrstote ein:e Radfahrer:in (441 getötete Radfahrer:innen insgesamt). 43,5 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrenden waren mit einem E-Bike unterwegs und ein großer Teil war 65 Jahre oder älter. In 70,7 Prozent der Fälle trugen Autofahrende die Hauptschuld [12].
Diese Zahlen unterstreichen die dringende Notwendigkeit, sichere Mobilitätsräume zu schaffen, insbesondere für ungeschützte Verkehrsteilnehmer:innen. Denn: Menschen machen Fehler, das lässt sich auch im Straßenverkehr nicht vermeiden. Deshalb sollte die Verkehrsinfrastruktur so gestaltet sein, dass sie diese Fehler im Verkehr abmildert oder verhindert, wie die bauliche Trennung von Fuß-, Rad- und Autoverkehr. Aktuell ist noch häufig das Gegenteil der Fall: Mängel an Straßen und Wegen erhöhen das Unfallrisiko [13].
5. Passive Mobilität
Bewegungsmangel zählt heute zu den größten Gesundheitsrisiken weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten pro Woche moderate bis intensive körperliche Aktivität. In Deutschland erreichen nur etwa 48 Prozent der Erwachsenen dieses Ziel [14, 15]. Zu den gesundheitlichen Folgen von Bewegungsmangel zählen unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Zeitmangel und andere Prioritäten sind die häufigsten Gründe für die körperliche Inaktivität [16, 17]. Autofahren bedeutet durch das Sitzen weniger Bewegung, was das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und andere Gesundheitsprobleme erhöht.
6. Flächenversiegelung
Je mehr Gebäude, Straßen und asphaltierte Plätze es in der Stadt gibt, desto weniger Platz bleibt für Bäume, Wiesen und Pflanzen. Diese Grünflächen sind für die Gesundheit jedoch sehr wichtig. Sie kühlen überhitzte Städte, filtern Feinstaub und Ozon aus der Luft und reduzieren die subjektive Wahrnehmung von Lärm [18, 19]. Grünflächen fördern nachweislich die psychische Erholung, senken Stress [20] und motivieren Menschen, sich mehr im Freien zu bewegen.
Wie wird die Mobilität gesünder?
Wenn es Städten gelingt, die genannten Risiken im Straßenverkehr zu senken, kann dies die Lebensqualität erhöhen. Städtische Infrastruktur, die eine aktive Mobilität erleichtert, kann helfen, die hohen gesellschaftlichen Gesundheitskosten durch Bewegungsmangel [21, 22] zu verringern. Ob zu Fuß, mit manuellem Rollstuhl oder mit dem Fahrrad – wer dazu in der Lage ist, mehr körperliche Bewegung in seinen Alltag zu integrieren, tut sowohl seiner eigenen Gesundheit als auch der Umwelt und dem Klima etwas Gutes [23, 24, 25]. Eine gute Infrastruktur für Fußgänger:innen, Rollstuhl- und Radfahrende sowie gute öffentliche Verkehrsangebote können Anreize schaffen, weniger lange im Auto und/oder im Stau zu sitzen [26]. Es lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht, gesunde Mobilität zu fördern.
Mögliche Maßnahmen für eine gesündere Mobilität in der Stadt
Tempo-30-Zonen
... erhöhen die Verkehrssicherheit und verringern Lärm: So konnte beispielsweise eine Schweizer Studie zeigen, dass die Einführung von Tempo-30-Zonen den Verkehrslärm spürbar senkt und die Menschen sich weniger durch Lärm gestört fühlen. Auch Schlafprobleme nahmen ab und das Sicherheitsgefühl auf den Straßen verbesserte sich [27].
Niedrig-Emissions-Zonen
... sind Bereiche in der Stadt, in denen nur schadstoffarme Fahrzeuge fahren dürfen. Sie reduzieren Feinstaub und Stickstoffoxide in der Luft.
Ein verlässlicher öffentlicher Nahverkehr, barrierefreie und kurze Fußwege sowie ein gutes Netz von Fahrradwegen
... können die Zahl der Autos reduzieren und so die Luftqualität verbessern [28], die Lärmbelastung senken und die Verkehrssicherheit fördern. Aktive Mobilität wird begünstigt und der Verkehr wird inklusiver.
Die hier dargestellten Maßnahmen sind nur ein kleiner beispielhafter Ausschnitt möglicher Maßnahmen. Während der Citizen-Science-Studie sollen verschiedene Maßnahmen gefunden und diskutiert werden.