Themenmonat September:
Engagement für eine bessere Mobilität
Viele Menschen engagieren sich zivilgesellschaftlich oder beteiligen sich an politischen Prozessen, um die Gesellschaft mitzugestalten. Wer sich zivilgesellschaftlich engagiert, setzt sich aktiv für Themen wie das Gemeinwohl, soziale Teilhabe, Umwelt- und Naturschutz oder auch für eine bessere Mobilität ein. Engagement kann in Initiativen, Projekten oder Vereinen stattfinden, aber auch in persönlichen Gesprächen oder am Arbeitsplatz. Eine Übersicht über unterschiedliche Ebenen von Engagement zeigt Infografik 1. Barrierefreie Version der Grafiken hier.
Infografik 1: Ebenen des Engagements für eine gesunde und gerechte Mobilität
© Lone Thomasky / AMBER 2025. Bild herunterladen. Zur barrierefreien Text-Fassung.
Warum ist Engagement wichtig?
Engagement bildet eine zentrale Grundlage für Mitbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe. Es stärkt den sozialen Zusammenhalt, hält die Demokratie lebendig und hilft, gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel oder soziale Ungleichheit zu bewältigen. In diesem Themenmonat beschäftigen wir uns vor allem mit dem Engagement für eine gesunde und gerechte Mobilität für alle.
Wann ist Engagement wirksam?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Wirkung von Engagement einzuschätzen. Ein Beispiel ist der „Handabdruck“. Während der ökologische Fußabdruck die negativen Auswirkungen des menschlichen Konsums aufzeigt (etwa der CO2-Fußabdruck-Rechner des UBA), soll der „Handabdruck“ positive Wirkungen des Menschen auf Umwelt und Gesellschaft abbilden. Er zeigt, wie Menschen durch ihr Engagement Strukturen verändern und Wandel mitgestalten können (Reif & Heitfeld, 2015). Mit dem Handabdruck-Test kannst Du Dich spielerisch mit der Wirkung und Ausrichtung Deines Engagements auseinandersetzen.
Um das eigene Engagement wirksamer zu gestalten, geben einige Organisationen Tipps und Unterstützungsmaterialien. So empfehlen wir beispielsweise die Unterlagen zur Planung und Umsetzung von Hand-Print-Aktionen (German Watch), zu Planung von Lobbyarbeit und Kampagnen (Friedrich-Ebert-Stiftung) oder zu effektivem Projektmanagement für Vereine und Non-Profits (Phineo). Auch Vereine wie der VCD bieten tolle Materialien rund um das Thema Mobilität.
Was motiviert Menschen, sich zu engagieren?
Engagement entsteht oft aus dem Wunsch, etwas zu verändern und an gesellschaftlichen Herausforderungen aktiv mitzuwirken. Drei Dinge spielen dabei laut umweltpsychologischen Studien eine besonders wichtige Rolle (Van Zomeren et al., 2008):
- Das Erleben von Ungerechtigkeit. Wer Ungleichheit sieht – oder selbst betroffen ist – spürt oft Wut oder Frustration. Diese Gefühle können dazu motivieren, aktiv zu werden.
- Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Wenn sich Menschen mit anderen verbunden fühlen und gemeinsame Werte oder Ziele teilen, motiviert das zum Mitmachen. Engagement entsteht besonders dort, wo Menschen sich als Teil einer Gruppe erleben.
- Das Gefühl, etwas bewirken zu können. Menschen setzen sich ein, wenn sie das Gefühl haben, ihre Stimme zählt und ihr Handeln macht einen Unterschied.
Ein Beispiel könnte sein, dass ein Mensch, der den Rollstuhl nutzt, im Alltag viele Hürden erlebt: Der Bahnhof hat keinen Aufzug, die barrierefreie Toilette ist defekt, der Abstand zwischen Bahnsteig und Bahn ist zu weit. Die Wut über diese Barrieren und das Wissen, dass es auch anderen so geht, kann eine Person dazu motivieren, sich mit anderen zusammenzuschließen und sich für barrierefreien Nahverkehr einzusetzen.
Wer kann sich engagieren – und wer nicht?
Rund 40 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren engagiert sich freiwillig (BMBFSFJ, 2024). Während der Anteil älterer Menschen zuletzt zugenommen hat, ist das Engagement junger Menschen leicht rückläufig (Weßels, 2021). Außerdem sind folgende Gruppen stärker aktiv: Menschen mit höherem Bildungsabschluss, Erwerbstätige, Männer, Menschen aus den alten Bundesländern oder auf dem Land (DeZIM, 2024; Weßels, 2021). Engagement für Umwelt- und Naturschutz ist in den letzten Jahren gestiegen. Insbesondere in diesem Bereich scheint die Gruppe der Engagierten homogen zu sein und einen ähnlichen sozialen und kulturellen Hintergrund zu haben (Weßels, 2021).
Das zeigt, dass nicht alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben sich zu engagieren. Der 4. Engagementbericht (BMBFSFJ, 2024) macht das deutlich und identifiziert 13 Barrieren für Engagement, die den Zugang zu Engagement erschweren. Dabei sind wenig Geld und Zeit sowie Diskriminierungserfahrungen wichtige Barrieren. Engagement ist also auch eine Gerechtigkeitsfrage. Daher ist es wichtig, barrierearme und inklusive Strukturen für Engagement zu haben, damit sich unterschiedliche Menschen engagieren können und ihre Gedanken, Meinungen und Forderungen politisch einbringen können. Der Engagementbericht gibt daher auch Empfehlungen zum Abbau von Hürden.
Wie steht es aktuell um das Engagement in Deutschland?
Eine aktive Zivilgesellschaft ist essenzieller Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Leider werden jedoch Organisationen und Bürger*innen, die sich für soziale, politische oder ökologische Anliegen einsetzen, zunehmend in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt (Keller & Gräf, 2024). Man spricht hier von shrinking spaces – also schrumpfenden Räumen. Gründe dafür sind geringere Fördermittel, bürokratische Hürden und strenger werdende Finanzkontrollen, sowie Einschüchterung und Kriminalisierung von Aktiven (Keller & Gräf, 2024; Green Legal Impact, 2025). Marginalisierte und diskriminierte Gruppen wie Migrant*innenorganisationen oder queere Vereine sind oft besonders von eingeschränkten zivilgesellschaftlichen Räumen betroffen (Keller & Gräf, 2024).
Zudem ist es problematisch, wenn freiwilliges und ehrenamtliches Engagement Aufgaben übernimmt, für die eigentlich der Staat zuständig war, sich jedoch zurückgezogen hat, etwa in der Pflege, Bildung oder Geflüchtetenhilfe. Das ist besonders kritisch, wenn ehrenamtliche Arbeit dauerhaft eingeplant wird, um fehlende staatliche Mittel auszugleichen. So bleiben strukturelle Probleme bestehen, statt gelöst zu werden (Pinl, 2015). Zivilgesellschaftliches Engagement braucht darum heute mehr denn je politische Rückendeckung und Unterstützung. Mit diesen Themen wird sich unsere Forschungsgruppe “Engagement und Wandel” in den kommenden Workshops beschäftigen.
Wo kann ich mich in Berlin engagieren?
Berlin bietet zahlreiche Möglichkeiten sich gemeinsam mit anderen für nachhaltige und gesunde Mobilität für alle zu engagieren. Du kannst in zivilgesellschaftlichen Initiativen, Vereinen oder selbstorganisierten Gruppen mitmachen. Du kannst Deine Anliegen auch direkt an Entscheidungsträger*innen oder Interessenvertretungen herantragen, Dich an öffentlichen Versammlungen beteiligen oder über Social Media Aufmerksamkeit erzeugen. Einen Überblick über wichtige Berliner Akteur*innen im Bereich der nachhaltigen und gesunden Mobilität für alle zeigt Infografik 2. Darin haben wir alle Engagement-Möglichkeiten zusammengefasst, die unsere Forschungsgruppe „Engagement & Wandel“ gemeinsam gesammelt hat.
Zudem finden sich auf der Nachhaltigkeitsplattform Brandenburg Initiativen, die sich in Brandenburg und auch Berlin für unterschiedliche Themen im Bereich Nachhaltigkeit einsetzen.
Infografik 2: Akteur*innen des Engagements in Berlin. (Ergebnisse aus unserer Citizen-Science-Studie) © Lone Thomasky / AMBER 2025.
PDF-Version mit Verlinkungen zu den Engagement-Angeboten oder Bilddatei herunterladen.
Wie komme ich ins Handeln?
Sich oder andere für ein neues Engagement zu begeistern, ist manchmal gar nicht so einfach. In welcher Gruppe fühle ich mich wohl und zu welchen Themen möchte ich mich dauerhaft einbringen? Oft hilft es an Gruppen anzuknüpfen, in denen bereits Bekannte aktiv sind. Auch gemeinsam mit eine*r Freund*in zu einem ersten Treffen oder einer Veranstaltung zu gehen, kann helfen. Es hilft zudem, möglichst konkrete Pläne zu machen, statt sich nur vorzunehmen, „irgendwann mal mitzumachen“. Trag Dir das nächste Treffen direkt in den Kalender ein: Wann findet es statt? Wo muss ich hin? Was brauche ich, um teilzunehmen? Je klarer der nächste Schritt ist, desto einfacher wird er (Hamann et al., 2016, S. 66).
Veranstaltungstipps im September
Wer nun Lust auf mehr Engagement bekommen hat, für die oder den gibt es im September viele Gelegenheiten – denn der Monat steht ganz im Zeichen von Engagement: vom 16.-22. September ist die Europäische Mobilitätswoche!
6. September 2025 – Charlottenburger Mobilitätstage
Bürgerfest rund um das Thema Mobilität mit Mitmachaktionen, Ausstellungen, Vorführungen und Diskussionen zu nachhaltiger und zukunftsfähiger Mobilität. Zahlreiche Initiativen, Politik und Wissenschaft laden zum Austausch ein.
Mehr Informationen: mobilitaet.berlin
14. September 2025 – Mitmachfest zum Berliner Demokratietag
Ein buntes Mitmachfest mit interaktiven Ständen rund um gesellschaftliches Engagement. Von 11:00 bis 17:00 Uhr bieten Initiativen, Vereine, Schulen und Unternehmen interaktive Angebote, kreative Workshops, Musik und einen „Markt der Möglichkeiten“ vor der Amerika‑Gedenkbibliothek.
Mehr zum Demokratietag
15. September 2025 – „Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen“
Am zweiten Aktionstag des Berliner Demokratietags diskutieren Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über gelebte Demokratie im Alltag. Siehe Berliner Demokratietag
15.–28. September 2025 – Verkehrswende-Aktionswochen (VCD)
Eine Aktionswoche mit Workshops, Mitmachaktionen und Vorträgen rund um nachhaltige Mobilität vom Fahrrad über den ÖPNV bis hin zu Carsharing. Ideal für alle, die engagiert die Verkehrswende mitgestalten möchten.
Mehr zur Aktionswoche
15.–26. September 2025 – Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“
Bundesweite Aktionswochen, bei denen Schulen und Kitas kreative Projekte zur gesunden Mobilität umsetzen. Schwerpunkt ist der 22. September als internationaler Aktionstag, an dem Kinder ihren Schulweg zu Fuß, mit Rad oder Roller zurücklegen.
Mehr auf zu-fuss-zur-schule.de
19. September 2025 – PARK(ing) Day Berlin
Ein globales Experiment, bei dem am dritten Freitag im September urbane Parkplätze in temporäre „PARKs“ verwandelt werden – etwa in
Straßencafés, grüne Oasen, Fahrradabstellplätze, Spielbereiche oder Ruheinseln, um Alternativen zur autodominierten Nutzung des öffentlichen Raums aufzuzeigen.
Mehr unter parking-day-berlin.de
12.–21. September 2025 – Berliner Freiwilligentage
Ein Aktionszeitraum mit zahlreichen Mitmachaktionen im ganzen Stadtgebiet – etwa Müllaktionen, Gärtnerstunden oder Nachbarschaftstreffen – bei dem sich Menschen engagieren und vernetzen können.
Weitere Tipps siehe Terminseite.