Themenmonat November: Luftschadstoffe und die Gesundheit
Die Auswirkungen von Luftschadstoffen betreffen ganz besonders Menschen mit Vorerkrankungen, ältere und sehr junge Personen, Schwangere und alle, die sich langsam fortbewegen. Diese besonders gefährdeten Personen sind in der Grafik in orange dargestellt. [1, 2] Es gibt viele Luftschadstoffe auf der Welt. Hier fokussieren wir uns auf vier von ihnen, die in Berlin eine relevante Rolle spielen. Wir stellen Grenzwerte und gesundheitliche Risiken vor.
Infografik: Die Luftschadstoffe in unserer Stadt.
© Lone Thomasky / AMBER 2025. Bild herunterladen.
Die wichtigsten Schadstoffe
Feinstaub
Feinstaub kann je nach Größe in PM10 (Durchmesser unter 10 Mikrometer) und PM2.5 (Durchmesser unter 2 Mikrometer) eingeteilt werden. Er entsteht bei Verbrennungsprozessen im Verkehr, beim Heizen oder in Abfallverbrennungsanlagen. Da Feinstaub aus winzigen Partikeln besteht, kann er bei Menschen durch die Nasenhöhlen bis in die Bronchien und Lungenbläschen vordringen. Das kann Entzündungen bis hin zu Atemwegs- und Herzkreislauf-Erkrankungen auslösen. [3, 4]
Stickstoffdioxid
Stickstoffdioxid (NO2): Eine der Hauptquellen von Stickstoffdioxid ist der Straßenverkehr. Stickstoffoxide (Zusammenfassung von Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid) reizen die Atemwege. Auch sie können das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen erhöhen. [5]
Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid ist ein unsichtbares und geruchloses Gas, das bei unvollständigen Verbrennungsprozessen, etwa in Autos oder Heizungen, entsteht. Es beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren und ist zudem ein starkes Atemgift. Es trägt zur Bildung von bodennahem Ozon bei. Kohlenstoffmonoxid kann in der Atmosphäre zu Kohlenstoffdioxid (CO2) reagieren und trägt somit zum Klimawandel bei. [6, 7]
Ozon
Ozon entsteht durch chemische Reaktionen von Stickstoffoxiden etwa aus dem Straßenverkehr und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) unter Sonneneinstrahlung. Es reizt die Atemwege und fördert Entzündungen. [5]
Einflüsse, die Schadstoffe aus der Luft abtragen
Regen
Regen kann Luftschadstoffe aus der Atmosphäre auswaschen. Dafür müssen die Luftschadstoffe jedoch wasserlöslich sein. Den Austrag der Luftschadstoffe aus der Atmosphäre durch Regen nennt man „nasse Deposition“. [8]
Gilt für: Feinstaub und Stickstoffdioxid
Ablagerung
Eine „trockene Deposition“ der Luftschadstoffe erfolgt, wenn sie sich an Oberflächen ablagern. Dies könnten zum Beispiel Blätter von Pflanzen, Autodächer oder Fußwege sein. [8]
Gilt für: Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon
Wind
Wind führt zu einer Verlagerung der Luftschadstoffe, nicht zu einem Austrag aus der Atmosphäre. Winde können die Luftschadstoffe in die Höhe bewegen oder von der Stadt aus ins Umland tragen. Beides führt zu einer geringeren Konzentration in Bodennähe in der Stadt. [9]
Gilt für: Feinstaub, Stickstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid und Ozon
Chemische Umwandlung
Durch chemische Umwandlung können sich die Luftschadstoffe in der Atmosphäre verändern. Beispielsweise verringert sich die Stickstoffdioxid-Konzentration unter der Einwirkung von Sonnenlicht, weil daraus Ozon entsteht.
Je länger die Luftschadstoffe in der Atmosphäre verweilen, desto mehr Zeit haben sie mit Sauerstoff zu reagieren und wasserlöslicher zu werden, um anschließend besser ausgewaschen zu werden (siehe nasse Deposition). [9]
Gilt für: Feinstaub, Stickstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid und Ozon
Grenzwerte und Ursachen der Schadstoffe
Quellen für Grenzwerte: [10]; Quellen für Ursachen: [11]
Legende: µm: Mikrometer; µg: Mikrogramm; m³: Kubikmeter; *: pro Jahr erlaubt; WHO: Weltgesundheitsorganisation
Feinstaub (PM10)
(Particulate Matter mit Durchmesser < 10 µm)
Grenzwert Tagesmittelwert:
- EU aktuell: 50 µg/m³ (35 Überschreitungen*)
- EU ab 2030: 45 µg/m³ (18 Überschreitungen*)
- WHO Richtwert: 45 µg/m³
Grenzwert Jahresmittelwert:
- EU aktuell: 40 µg/m³
- EU ab 2030: 20 µg/m³
- WHO Richtwert: 15 µg/m³
Natürliche Quellen: Vulkane, Waldbrände
Menschliche Quellen: Heizen, Industrie, Straßenverkehr (Abgase und Reifenabrieb)
Feinstaub (PM2.5)
(Particulate Matter mit Durchmesser < 2.5 µm)
Grenzwert Tagesmittelwert:
- EU aktuell: /
- EU ab 2030: 25 µg/m³ (18 Überschreitungen*)
- WHO Richtwert: 15 µg/m³
Grenzwert Jahresmittelwert:
- EU aktuell: 25 µg/m³
- EU ab 2030: 10 µg/m³
- WHO Richtwert: 5 µg/m³
Natürliche Quellen: Vulkane, Waldbrände
Menschliche Quellen: Heizen, Industrie, Straßenverkehr (Abgase und Reifenabrieb)
Stickstoffdioxid (NO2)
Grenzwert Tagesmittelwert:
- EU aktuell: /
- EU ab 2030: 50 µg/m³ (18 Überschreitungen*)
- WHO Richtwert: 25 µg/m³
Grenzwert Jahresmittelwert:
- EU aktuell: 40 µg/m³
- EU ab 2030: 20 µg/m³ (18 Überschreitungen*)
- WHO Richtwert: 10 µg/m³
Natürliche Quellen: Boden, Vulkane
Menschliche Quellen: Straßenverkehr (Abgase), Landwirtschaft, Ölgewinnung
Ozon (O3)
Täglich maximaler 8h-Mittelwert:
- EU aktuell: /
- EU ab 2030: 120 µg/m³
- WHO Richtwert: 100 µg/m³
Grenzwert Jahresmittelwert für die warme Jahreszeit:
- EU aktuell: /
- EU ab 2030: /
- WHO Richtwert: 60 µg/m³
Natürliche Quellen: Bäume
Menschliche Quellen: Straßenverkehr (aus Abgasen in Verbindung mit Sonnenlicht), Landwirtschaft
Kohlenstoffmonoxid (CO)
Grenzwert Tagesmittelwert:
EU ab 2030: 4 µg/m³ (18 Überschreitungen*)
Menschliche Quellen: Straßenverkehr (Abgase), Heizen, Industrie
Schwankungen und Kontrolle der Werte
Die Konzentration der Luftschadstoffe schwankt im Tages- und Jahreszeitenverlauf. Die Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerte sind während des Berufsverkehrs am höchsten, also morgens und abends. Im Jahresverlauf sind die Werte für Feinstaub meist im Winter höher, da dann mehr geheizt wird und ungünstige Wetterlagen die Durchmischung in höhere Luftschichten verhindern können. [12, 13] Die Ozonwerte steigen bei Sonneneinstrahlung an, somit sind sie im Sommer eher höher als im Winter. [14]
In Berlin gilt das Berliner Luftgütemessnetz (BLUME). Derzeit messen 15 Stationen über ganz Berlin verteilt verschiedene Luftschadstoffe: Hier ist eine Karte mit den aktuellen Luftqualitätsindices zu finden, einzelne Stationsdaten sind ebenfalls abrufbar.
Veranstaltungstipps im November
20. Oktober – 5. Dezember 2025 – VCD-Aktion „Freie Gehwege“
Parkende Autos auf und neben Gehwegen können Fußgänger:innen, besonders Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, gefährden. Mit der Mitmach-Aktion „Freie Gehwege“ können Bürger:innen gefährliche Stellen melden, um Gehwege wieder sicherer und passierbar zu machen.
Mehr Infos: VCD-Aktion »Freie Gehwege«
24. Oktober – 8. Dezember 2025 – ADFC-Radreiseanalyse 2025
Der ADFC führt eine Online-Umfrage zum Radreiseverhalten durch, bei der Teilnehmende etwa 15 Minuten investieren müssen. Die Analyse erfasst Trends im Radtourismus, beliebte Routen sowie Investitionen in Ausrüstung und Serviceleistungen. Neu ist die Frage, welche Rolle der Naturschutz bei Tagesausflügen spielt. Teilnehmende haben die Chance, ein Elektrofahrrad zu gewinnen.
Mehr Infos: ADFC-Radreiseanalyse 2025 - ADFC Berlin
5.–6. November 2025 – Future Sustainability Week 2025
Zweitägige hybride Veranstaltungsreihe, die praxisnahe Einblicke aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik bietet. Dieses Jahr sind die großen Themenblöcke Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Wachstum, Agrar und Ernährung, Bauen und Stadtentwicklung sowie Gesundheit.
Mehr Infos: Überblick - Future Sustainability Week 2025
6. November 2025 – Berlin Science Week 2025
Ultrafeinstaub in der Luft gilt als gesundheitsschädlich und wird seit der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinie von 2024 erstmals verpflichtend überwacht. Bei der Veranstaltung „Luftqualität und ultrafeine Partikel – was hat das mit dem Flughafen BER zu tun?“ berichten Expert:innen über ihre Erkenntnisse aus der UBA-Studie.
Mehr Infos: Luftqualität und ultrafeine Partikel – was hat das mit dem Flughafen BER zu tun? | Berlin Science Week
22.–23. November 2025 – Konferenz der Zukunft
Greenpeace schafft hier einen interaktiven Raum in dem Klima, Gesellschaft, und Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen. Diese Konferenz bietet Raum für Menschen, die nicht nur reden, sondern handeln wollen – kostenlos, offen und gemeinsam. Für eine ökologisch-faire und lebenswerte Zukunft.
Mehr Infos: https://tomorrow.greenpeace.de/
25. November 2025 – 3. Berliner Umweltgerechtigkeitskongress – „Impulse aus New York und Paris: Umweltgerechtigkeit international denken, lokal umsetzen“
Unter dem Leitmotiv „Drei Metropolen im Vergleich – wie kann urbane Umweltgerechtigkeit gelingen?“ lädt die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ein, Erfahrungen aus New York und Paris auszutauschen, um praxisnahe Impulse für Berlin zu entwickeln.
Mehr Infos: Veranstaltungen - Berlin.de
25–28. November 2025 – Kommunale Klimakonferenz 2025
Bei der mehrtägigen Konferenz Starke Kommune, klimagerechte Zukunft stehen lebenswerte, zukunftsorientierte Kommunen im Mittelpunkt, die Treibhausgasemissionen senken und sich zugleich auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Sie beleuchtet zentrale Themen wie sozialverträglicher Wandel, Klimaschutz und Anpassung vor Ort, digitale Transformation sowie die Unterstützung durch Bund und Länder.
Weitere Tipps siehe Terminseite.